Markus R. Weber 

 

Ebenso subtil wie kenntnisreich geht Markus R. Webers Text „darwin, die beteiligten“ mit Charles Darwins Vita zugleich der Entwicklungsgeschichte der Arten nach. Ein dichtes Netz von Zitaten und eine souveräne Breite lyrischer Verfahren zeichnen ihn aus. Bei aller Luzidität behält er viele Momente der Rätselhaftigkeit. In seiner spannungsgeladenen Vieldeutigkeit beweist er die Wandlungskraft eines Gedichts: Aus dem Vorsprachlichen, aus dem Sprachfehler, aus dem Redeabbruch kreiert er Poesie.

 

 

 

darwin, die beteiligten

 

las unsere versteinerten vorfahren,
baumstark, willig, zukunftsscheu.
eine ununterbrochene ankunft von
ähnlichkeit und verbrechen.

 

laxer schrieb sich erdgeschichte: sechs tage ge
nügten, für den rost in steinen, den ameisenbär. ver
besserungen sind nicht geplant. änderungen:

 

 

1

betrachtet sich die flinte an
legend im spiegel; schießt im zimmer lichter
aus, narziß sah sich schießen, ich treffe

 

auf die härte des studiums, oper
ationen wurden –

 

ich möchte lieber nicht, ma
thematischer furor oder die
schönheit der gleichung, der in
sekten, deren leiser klang –

 

– am lebenden objekt, die betäubung hatte man noch
nicht erfunden, über die D. nicht lachen
kann, z.B. an einem kind, rannte davon – ich passe – sehn

 

sucht nach käfern, humboldt-lektüre – rückfälle in äußere wirklichkeit.
lief davon in eine liederliche gesellschaft, affenartige. spendierboy, die unfähigkeit
zuzuschauen, „meine unfähigkeit zu zeichnen“. gänsehaut aber bei geistlicher musik

 

nicht einsehen konnte: algebra, geduld, studi
enzweck. blieb: sehen. duld. alge.


eier vom moostierchen, wimpern die der bewegung die
nen. hatte einen neger, geschickt im ausstopfen.

 

glücklich: in betrachtung eines familiären sees. art
genossen genossen jagdvergnü-, spazie-, reiten. aus

 

ritt der mann der aus dem relief bestimmung austritt, miß
gestalt der neigungen. ecken der evolution, man stößt sich

 

an den erkern die nasen blutig. damals nicht den geringsten
zweifel an der wörtl. wahrheit eines jeden wortes der bibel


wenn auch im tägl. leben ein
stotterer in worten, die mit w be
ginnen, ein tabu. dem kind
bietet man sixpence, dennoch

 

: aufwand des buchstabens W nicht gemeistert
rage rait rar rare ray reave redding rest ret rorm rorship
raste rillow rine rinner ripe-out rishful rolf

 

 

 

Markus R. Weber, geb. 1963, Studium mit Hauptfach Germanistik, abgeschlossen mit einer Dissertation über Paul Kornfeld, einen Autor des Prager Kreises. Beiträge im Rundfunk, Aufsätze zur deutschen Gegenwartsliteratur, Beiträge im KLG. Thaddäus-Troll-Preis 1998. Mehrere Stipendien, zuletzt Künstlerhaus Edenkoben 2012, Künstlerhof Schreyahn 2015. Mehrere Einzelveröffentlichungen, u.a. „Musen der Platzangst. Roger Corman verfilmt Stifters 'Hochwald'" (Droschl, Graz, 2002), „Extremisten 2010“ (2010) .