1. Preis

Dagmara Kraus

 

(*1980 Warschau) emigrierte 1988 nach Deutschland. Studium der Komparatistik und Kunstgeschichte, promovierte über die Poetik des Sprungs. Mehrere Auszeichnungen. Zuletzt: „liedvoll, deutschyzno“ (kookbooks 2020). 

 

 

 

Mit folgenden Begründungen bestimmten sie die Siegerinnen und den Sieger: 

 

Bis auf Weiteres, so ist zu hoffen, braucht die poetische Sprache keinen Reisepass. Ihre Wörter können Grenzen überschreiten, wenn sie neue Formen, Bedeutungen und Identitäten annehmen. Wenn sie reale Grenzen überwinden, dann finden sie sich zwischen den Wörtern anderer Sprachen wieder und werden zu einem eigenen und eigensinnigen Völkchen, das mit anderen eigensinnigen Völkchen paktiert. So ist es bei Dagmara Kraus, die den Wörtern freien Lauf lässt, in dem sie mit lyrischen Formen spielt und für dieses Spiel immer neue Gefährten sucht. Hans Arp, Raymond Queneau, Carlo Gesualdo und Rainer Maria Rilke. Die babylonische Verwirrung und die Bibel kommen in ihren Gedichten vor. Pathos und Blasphemie, Katastrophen und Kalauer. Diese Autorin kann episch sein und epigrammatisch, und es braucht nur ein paar ihrer Texte, um zu sehen, dass ein träumender Aal genauso majestätisch ist wie das ganze große All. Überhaupt steckt alles in allem und in Dagmar auch ein, wie es einmal heißt, „Dagmärchen“, das in großartigen Texten immer wieder aufs Neue wahr wird.

 

 

 

 

federbuckel federbuckel

hats gerufen seraphim

nicht die rundung nicht die

rundung wöllen nimi singen

 

klingei trumbei klingei trumbei

riff aufs klapperbrett

riecht recht miese riecht nach

weise dünneleises bajzelett

 

auge zünde auge zünd und

pumpe pump bis kubis-kett

drache patzet mio hio

letierlei hat weggezogen

 

eh ums kötzlein wais sich logen

vogelstimmer -stimmerin

immer immer fällt ach immer

immer fällt sie niminacht

pumpum bogs warumbe hin