Alfred-Gruber-Preis

Mara-Daria Cojocaru

 

(*1980, Hamburg) lebt als Schriftstellerin und Dozentin für praktische Philosophie in München und London. Zuletzt: „anstelle einer Unterwerfung“ (Schöffling & Co, 2016).

 

 

 

Mit folgenden Begründungen bestimmten sie die Siegerinnen und den Sieger: 

 

Der zweite Preis des Lyrikpreises Meran 2020/2021 geht an die Sprache Primat‘sch. Sie denkt darüber nach, wie Hautträger und Fellträger miteinander kommunizieren könnten, sie enthält dunkle Flecken und helle, Überschriebenes, neu Erfundenes. Mara-Daria Cojocarus Gedichtzyklus Hominide B-Seiten untersucht die Untersuchungen des Menschen am Tier. Er achtet darauf, was übersehen wurde und erweitert unseren textlichen Blick, indem er die alte Tradition der Bild- und Schriftkombination, wie das Emblem sie pflegte, in zeitgenössischen Gebrauch nimmt. Die Frage nach dem Zusammenklang von Zeichnung und Schrift, Diagramm und Reim, die Frage danach, wie wissenschaftliche Aufzeichensysteme und poetische Mit- oder Gegenschriften sich wechselseitig erhellen, wird in Cojocarus Gedichten auf vielfältige Weise immer wieder neu thematisiert. Ortsbegehungen finden simultan auf mehreren Ebenen statt: in der Schrift, der Widerschrift, der Handschrift, der Reimschrift der Tradition, der Überschreibung, der Worterfindung, der Zeichnung. Gezeichnet sind wir alle – Cojocarus zwischen den Sprachen wechselnde, also übersetzende Gedichte zeigen es uns so humorvoll wie intelligent, so grundsätzlich wie tongue in cheek.